Technik-Werkstoffe-Umwelt

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    Applikation

    Ein Anstrich Dick oder Dünn - was ist die richtige Lösung?

    Die Beschichtung von Holz hat eine, nun bereits nach Jahrtausenden zählende, lange Geschichte. Der Wunsch nach Langlebigkeit, verbunden mit dekorativen Anliegen ließ schon unsere Urahnen zu Farben und Holzschutzmitteln greifen. War man in früheren Zeiten noch bereit, die Abwitterung von Anstrichen nach relativ kurzer Zeit in Kauf zu nehmen und diese vorbehaltlos in relativ kurzen Zeitabständen zu erneuern (z. B. das Kalken von weißen Flächen), so bestimmen in
    der heutigen Zeit nicht zuletzt die hohen Arbeitszeitkosten das Verlangen nach einer ewigen Haltbarkeit eines Anstrichs. Nun wird man diesen Wunsch niemals erfüllen können, aber die Vergrößerung der Wartungsintervalle durch Einsatz spezieller Materialien kann schon heute verwirklicht werden.

    So wird der zielgerichtete Einsatz von Anstrichstoffen mit definierten Trockenschichtdicken immer bedeutungsvoller. Wonach richtet sich nun der Einsatz von Dickschicht- oder Dünnschichtprodukten?

    Maßgeblich für die Auswahl des Anstrichmitteltyps ist die Eingruppierung des zu beschichtenden Bauteiles betreff seiner Maßhaltigkeit.

    Da Holz als hygroskopischer Werkstoff seine Feuchtigkeit nach der Umgebungsfeuchte einstellt, unterliegt er bei Feuchteabgabe oder -aufnahme ebenfalls einem Quell- und Schwindverhalten, d. h. seine Maße werden geändert (daher der Begriff „Maßhaltigkeit“).

    Bauteile, die keiner engen Formstabilität unterliegen, die somit bei Feuchtezutritt oder -abnahme frei quellen und schwinden können (z. B. Zäune, Giebelverkleidungen), unterliegen keiner Maßhaltigkeit und werden deshalb als „Nicht maßhaltige Bauteile“ bezeichnet. Im Gegensatz dazu sind Bauteile mit gewollter enger Formstabilität (z. B. Fenster, Türen) „Maßhaltige Bauteile“. Von „Begrenzt maßhaltigen Bauteilen“ spricht man bei Konstruktionshölzern, die aufgrund ihrer
    Beschaffenheit weder der einen noch der anderen Gruppe zuzuordnen sind (z. B. Fachwerk).

    Da nicht maßhaltige Bauteile durch meist für Niederschläge zugängliche Hirnholzflächen Feuchtigkeit aufnehmen, sollten
    diese Bauteile mit einem dünnschichtigen Anstrichstoff (z. B. HK-Lasur) behandelt werden. Dieser Lasurtyp garantiert die erforderliche diffusionsoffene Oberfläche. Bei der Verwendung von Dickschichtprodukten für nicht maßhaltige Bauteile muss mit dem Abplatzen des Anstrichstoffes nach relativ kurzer Zeit gerechnet werden, da durch die höhere „Diffusionsbremse“ die Feuchteabgabe aus dem Holz verhindert wird.

    Vorsicht bei der Beschichtung von nicht maßhaltigen Bauteilen:
    Maßhaltige Bauteile, die aufgrund ihrer Konstruktion und Einsatzbestimmung engen Toleranzgrenzen unterliegen,
    müssen demzufolge entsprechend „diffusionsbremsender“ beschichtet werden. Das ergibt sich schon allein aus der Tatsache, dass trotz aufwendiger Konstruktion eine rege Quell-und Schwindtätigkeit bei diffusionsoffenem Anstrich (z. B. Fenster aus Kiefernholz) zu verzeichnen wäre. Aus diesem Grund sind z. B. bei der Fensterbeschichtung bestimmte Mindestschichtdicken gefordert.

    Dickschichtprodukte sind in ihrer Beschaffenheit noch durchlässig für Wasserdampfströme. Diffusionsoffen wie Dünnschichtprodukte sind sie jedoch nicht und dürfen es auch nicht sein.

    Bei der Beschichtung von Fachwerk als begrenzt maßhaltige Bauteile, sollte beachtet werden, dass zwar aufgrund ihrer Konstruktion enge Maßtoleranzen gewährleistet sind, jedoch durch immer wieder zugängliche Hirnholzflächen Wasser eindringen kann und somit für eine Hinterwanderung von Dickschichtlasuren oder -lacken sorgt. Der Sorge um die UV-Stabilität bei Dünnschichtlasuren (z. B. HK-Lasur) kann durch Einsatz von entsprechend pigmentierten Farbtönen
    entgegengetreten werden.

    In „Anstriche für Holz und Holzwerkstoffe im Außenbereich“ (Arbeitsgemeinschaft Holz e.V., Reihe Informationsdienst Holz; Bearbeitung: Dr. Böttcher) wird die grundsätzliche Bedeutung des sd-Wertes (wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke) auch bei Beschichtungen betont.
    Gemäß DIN 52 615 ist der sd-Wert abhängig von der applizierten Trockenschichtdicke (s) und der Wasserdampf-
    Diffusionswiderstandszahl (µ).

    Es gilt die Beziehung: sd = µ • s
    Einheit: m

    Beispiel:
    Für einen Fensterlack mit der Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl µ = 12 000 und einer Trockenschichtdicke von
    s = 120 µm errechnet sich folgender sd-Wert:
    sd = 12 000 • 0,00012 m
    sd = 1,44 m

    In dieser Veröffentlichung werden folgende sd-Werte für die einzelnen Bauteile empfohlen:

    maßhaltige Bauteile: sd >1,2 m
    bedingt maßhaltige Bauteile: 1,0 m >sd >0,5 m
    nicht maßhaltige Bauteile: 0,5 m > sd

    Achtung!! Es darf die Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl (µ), die auch als µ-Wert bezeichnet wird, nicht mit Schichtdicke in µm (wird fälschlicherweise oft ebenso bezeichnet) verwechselt werden.
    Als Fazit bleibt, dass die Auswahl des Anstrichstoffes nicht allein dem gewünschten dekorativen Effekt unterliegen soll, sondern je nach erforderlicher Maßhaltigkeit sollten diffusionsoffene oder diffusionsbremsende Anstrichstoffe gewählt.

    Quelle:Remmers Baustofftechnik/ Geschäftsbereich Handwerk

     

     




     
     
     
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