Nicht jeder Auszubildende startet mit denselben Voraussetzungen in das Berufsleben. Während manchen das Mischen von Farbtönen leichtfällt, kämpfen andere mit dem präzisen Aufmaß, dem Dreisatz für die Materialberechnung oder der Fachsprache im Maler- und Lackiererhandwerk. Genau hier setzt gezielter Förderunterricht an – und entwickelt sich für Ausbildungsbetriebe zu einem erprobten Instrument, um den Nachwuchs sicher bis zur Gesellenprüfung zu führen und vorzeitige Ausbildungsabbrüche zu verhindern.
Heterogene Vorbildung trifft auf hohe Anforderungen
Zahlen des Datenreports 2022 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigen deutlich, Jugendliche mit maximalem Hauptschulabschluss lösen ihre Ausbildungsverträge mit über 42 Prozent deutlich häufiger als Studienberechtigte, bei denen es bei 18 Prozent lag. Im gesamten Handwerk erreichte die Lösungsquote im selben Jahr 36,7 Prozent – ein Wert deutlich über dem Branchendurchschnitt. Laut BIBB gehört der Beruf des Malers und Lackierers bundesweit sogar zu den Gewerken mit besonders hohen Lösungsquoten, vergleichbar mit anderen Bauberufen wie dem Dachdeckerhandwerk.
Gezielte, praxisnahe Unterstützung
Förderunterricht setzt präventiv an. Er schließt Wissenslücken, bevor diese zu einem Abbruchgrund heranwachsen, und unterstützt gezielt bei der Vorbereitung auf die Gesellenprüfung. Ob in Form von Zusatzkursen oder als betriebsinterne Lernbegleitung – entscheidend bleibt die Praxisnähe. Wer Flächen für ein reales Kundenprojekt berechnet, statt abstrakte Textaufgaben zu lösen, verinnerlicht den Stoff nachhaltiger. So wandelt sich trockener Schulstoff in greifbares Handwerkswissen.
Unser Praxisbeispiel – seit über zehn Jahren im Einsatz für die Maler- und Lackiererinnung Berlin
Wie wirkungsvoll dieser Ansatz ist, zeigt das Beispiel von Frank Dreyer, Berufsschullehrer am OSZ Gestaltung. Seit mehr als zehn Jahren unterstützt er im Auftrag der Innung Berlin Auszubildende – mit beachtlichem Erfolg. Er übernahm das Angebot einst von einem Kollegen und hat sich über die Jahre zu einer festen Institution innerhalb der Innung entwickelt. Mittlerweile erreicht er bereits die zweite Generation. Ehemalige Schüler, die heute selbst als Meister, Angestellte oder Gesellen er-
folgreich im Beruf stehen, loben die professionelle Hilfe, die sie damals erfahren haben. Sie erinnern sich noch Jahre später an die entscheidende Lernerfolge aus seinem Unterricht. Besonders bemerkenswert ist, dass viele von ihnen inzwischen ihre eigenen Auszubildende zu ihm schicken – aus tiefer Überzeugung und nicht aus reiner Pflicht. Ein schönerer Vertrauensbeweis lässt sich kaum finden, er zeigt, dass qualitativ hochwertiger Förderunterricht über Generationen hinweg Früchte trägt.
Dabei versteht Herr Dreyer sein Angebot nie als reine Kuschelpädagogik. Wer bei ihm lernt, wird gefördert – aber ebenso gefordert. Klare Regeln gehören von Anfang an dazu, unentschuldigtes Fehlen wird nicht toleriert und kann zum Ausschluss aus dem Kurs führen. Ebenso, wenn die vereinbarte Mitarbeit verweigert wird. Gerade diese Verbindung aus echter Unterstützung und konsequenter Verbindlichkeit macht für viele ehemalige Teilnehmende den Unterschied. Der Unterricht hilft beim
Schließen von Lücken und bei der gezielten Prüfungsvorbereitung, verlangt im Gegenzug aber auch Disziplin und Verlässlichkeit – Eigenschaften, die im späteren Berufsalltag ebenso gefragt sind wie fachliches Können. Seit Februar 2024 bietet die Innung Berlin dieses Angebot auch für angehende Fahrzeuglackierer an. Unter der Leitung von Bianca König haben die ersten Auszubildenden ihre Prüfungen bereits erfolgreich abgelegt.
Nutzen für Betriebe
Betriebe senken durch dieses Engagement das Risiko, eingearbeitete Nachwuchskräfte zu verlieren. Sie profitieren von selbstbewussteren, fachlich versierteren Mitarbeitenden, die auch komplexere Aufträge sicher bewältigen. Angesichts des Fachkräftemangels im Maler- und Lackiererhandwerk ist dies ein Vorteil, den kein Betrieb ungenutzt lassen sollte. Förderunterricht ist damit eine Investition in die Zukunft des Handwerks und in die Sicherung qualifizierter Fachkräfte.
Autor: Beate Bliedtner
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